Der Zugvogel.

Zu Beginn des Winters wollen wir uns mit dem Vogelzug, dem alljährlichen Flug der Zugvögel von ihren Brutgebieten zu ihren Winterquartieren, beschäftigen. In der letzten Zeit wurde dieses Thema wiederholt von den Medien aufgegriffen und mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. In diesem Zusammenhang erscheint es uns wichtig, einmal die Hintergründe des Vogelzuges näher zu beleuchten.   

Hauptursache des Vogelzuges ist das knappe Nahrungsangebot im Winter. Während Insektenfresser bei uns im Frühjahr und Sommer reichlich Nahrung finden, müssen sie im Winter in südlichere Gefilde ausweichen. Dort wird dann im Verlaufe des Winters die Nahrung aufgrund der großen Anzahl von Vögeln ebenfalls knapp, sodass die Tiere im Frühjahr wieder nach Norden ausweichen. Wohin und wie weit sie ziehen ist individuell und artspezifisch unterschiedlich und darüber hinaus genetisch festgelegt. Zum Beispiel überwintert der Pirol im tropischen Afrika. Daher kann er nicht wissen, ob es hier bereits im April oder erst, wie gewöhnlich, im Mai warm geworden ist. Er kommt immer erst im Mai zu uns zurück. Andere Arten, wie die Singdrossel, weichen nur der 10°C-Isotherme aus und bleiben in milden Winter bisweilen sogar hier. In letzter Zeit wurde beobachtet, dass die Populationen der Mönchsgrasmücke und des Zilpzalp ihr Überwinterungsgebiet von Südeuropa nach Westeuropa in Richtung der Britischen Inseln verschoben haben. Dies wird auf die milderen Winter und in der Folge auf eine Anpassung des Zugverhaltens zurückgeführt.   

Zur Orientierung haben die Vögel Sinne zur Verfügung, für die wir tief in die technische Trickkiste greifen müssten. Die Vögel nutzen einen inneren Kompass, mit dem sie vermutlich das Erdmagnetfeld wahrnehmen können, um so immer genau nach Süden bzw. Norden zu fliegen. Beim Rotkehlchen befindet sich dieser Rezeptor offenbar im rechten Auge. Deckt man das Auge ab, verlieren sie die Fähigkeit zur Orientierung im Erdmagnetfeld. Ferner orientieren sie sich visuell anhand des Sternhimmels. Da Vögel UV-Licht wahrnehmen können, sind sie in der Lage, den Sonnenstand auch bei bewölktem Himmel festzustellen. Es gibt Anzeichen dafür, dass zumindest einige Vogelarten auch die Polarisations-Muster des Sonnenstandes am Himmel wahrnehmen.   Einer der bemerkenswertesten Zugvögel ist die Küstenseeschwalbe. Die Vögel legen auf ihrem Zug von den arktischen Brutplätzen in die antarktischen Überwinterungsgebiete eine Strecke von bis zu 15.000 Kilometer zurück. Durch die Ausnutzung der „Mitternachtssonne“ von Arktis und Antarktis genießen die Tiere in insgesamt acht Monaten im Jahr die nicht untergehende Sonne und sind zumindest theoretisch in der Lage, 24 Stunden lang auf Nahrungssuche zu gehen.

Die Rotdrossel
Die Rotdrossel
Der Seidenschwanz
Der Seidenschwanz

Einer der bemerkenswertesten Zugvögel ist die Küstenseeschwalbe. Die Vögel legen auf ihrem Zug von den arktischen Brutplätzen in die antarktischen Überwinterungsgebiete eine Strecke von bis zu 15.000 Kilometer zurück. Durch die Ausnutzung der „Mitternachtssonne“ von Arktis und Antarktis genießen die Tiere in insgesamt acht Monaten im Jahr die nicht untergehende Sonne und sind zumindest theoretisch in der Lage, 24 Stunden lang auf Nahrungssuche zu gehen.
 
Ähnlich bemerkenswert ist das Zugverhalten der Pfuhlschnepfe. Mit Hilfe eines Minisenders wurde nachgewiesen, dass sie mit einem 11.500 Kilometer Non-Stop-Flug den Pazifik von Alaska bis Neuseeland überquert. Dabei wird noch nicht einmal die kürzeste Luftlinie gewählt, die nur 9.575 Kilometer betragen würde. 

Auch unser Gelände bietet vielfältige Beobachtungsmöglichkeiten interessanter Zugvögel. In jedem Winter werden wir von der nordischen Verwandten unserer Singdrossel – der Rotdrossel – besucht. Sie treten in größeren Schwärmen, oft zusammen mit Wacholder- und Misteldrosseln auf und sind an ihren leuchtend orangeroten Bauchseiten zu erkennen. Andere nordische Vogelarten, wie der Rotkehlpieper und der Bergfink, sind ebenfalls regelmäßige Gäste in Hubbelrath. Seltener und ausgesprochen sporadisch erscheinen die Seidenschwänze im Düsseldorfer Raum. Ihr geheimnisvolles Auftreten, besonders in sehr kalten Wintern, wurde insbesondere im Mittelalter, für ein böses Vorzeichen gehalten. Daher rührt auch der im Niederländischen noch immer gebräuchliche Artname Pestvogel.

 

Der bekannteste Zugvogel im Rheinland dürfte jedoch der Kranich sein, der in großen Trupps, oft laut trompetend, von seinen Rastgebieten in Mecklenburg-Vorpommern in seine Überwinterungsgebiete, zum Beispiel in die spanische Extremadura fliegt.


Dr. Gerd W. Thörner
und Dipl.-Geogr. Tobias Krause



Der Kranich im Flug

Der Kranich im Flug


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