Die Skudde.

Eine der wichtigsten Aufgaben unseres Clubs ist es – neben dem Golfsport – die Kulturlandschaft unseres Platzes zu pflegen. In unserer Reihe berichteten wir bereits mehrfach über das Streuobstwiesenkonzept und die davon profitierenden Tierarten. Zur effektiven Umsetzung des Konzeptes bedarf es bisweilen jedoch externer Mitarbeiter. Für die kommenden Wochen werden daher wieder Skudden links der Bahn 4 des Ostplatzes auf der neuen Streuobstwiese weiden. Skudden sind die älteste und kleinste Schafrasse Deutschlands. Sie sind vom Aussterben bedroht. Auf der Streuobstwiese weiden derzeit 17 Jungböcke und werden zur Verbesserung der Artenvielfalt dieser Wiesengesellschaft beitragen. Die Skudde war bis Anfang dieses Jahrhunderts das bodenständige Schaf Ostpreußens und des Baltikums, nachweislich zumindest seit der Ordenszeit.

Ob dort schon vorher Skudden lebten, seit wann oder wo andernorts, ob sie das ‚Schaf der Wikinger‘ war, wie einige behaupten, oder direkter Nachfahre des jungsteinzeitlichen Schafs, wovon andere überzeugt sind – alles bislang offene Fragen, die eines Tages vielleicht endgültig zu klären sein werden. Ebenso wie die Herkunft des Namens ‚Skudde‘, der einerseits auf die niederlitauische Stadt Skuoda (s) zurückgeführt wird, andererseits auf den litauischen Lockruf für Schafe, ’skud‘, und dessen pomoranische/kaschubische Entsprechungen.

Die enorme Fähigkeit der Skudden in extensiver Haltung auf nährstoffarmen Standorte zu gedeihen und dabei schmackhaftes, wildbretartiges Fleisch zu produzieren, machten sie auf mageren Flächen großer Güter ebenso beliebt wie bei Kleinbauern und Tagelöhnern. Die Einführung großer Leistungsschafrassen verlegte die Skuddenhaltung mehr in die Hände ‚kleiner Leute‘, tat aber der Rasse wenig Abbruch, bis man versuchte, die Skudde durch Kreuzung zu veredeln. Der Versuch scheiterte. Es gab kaum Nachkommen und diese merzten sich meistenteils selbst aus, zunehmend mit höherem Fremdblutanteil. Zwar zeigte dies den naturgegebenen Wert der Skudde – aber danach fragte niemand, und das Interesse an der Skudde erlosch.

Die deutsche Skuddenzucht geht im Wesentlichen auf wenige Tiere zurück, die 1941 vom Münchener Zoo gekauft worden waren und von dort aus den Weg zu anderen Tiergärten, später auch zu Einzelzüchtern fanden. Eine aktuelle Bestandszahl kann nicht angegeben werden, da nicht alle Züchter erfasst sind und eine überregionale Koordination bislang schwierig war – es kann von etwa 1.000 Skudden ausgegangen werden. Nach wie vor ist die Skudde ein robustes, ursprüngliches Landschaf mit eigenem Reiz. Hält man sie, wie sie früher gehalten worden sein dürfte, mit möglichst weniger menschlicher Einmischung, auf großen, vielfältig bewachsenen Flächen, so werden sie im Verhalten einem Rudel Wild immer ähnlicher. Skudden sind von Natur aus scheu, sehr lebhaft und ungeheuer aufmerksam. Stampfen und Fauchen drückt Abwehr aus. Berührungen weichen Skudden am liebsten aus, betrachten Ungewöhliches aus sicherem Abstand und entziehen sich im Zweifelsfall durch Flucht, wobei ihre geringe Größe und enorme Wendigkeit zusammen mit hervorragendem Springvermögen den Wildtiercharakter noch betonen (und mindestens 1,30 Meter Zaunhöhe erfordern).

Zwei Skuddenböcke
Skudden an der Bahn 4 des Ostpaltzes. Im Hintergrund der Schleiereulenkasten Modell Hubbelrath, sowie einer der neu gepflanzten Obstbäume

Für die an magere Standorte angepasste Skudden sind fette Weiden Gift. Düngung sollte tunlichst vermieden werden, ebenso wie Zufütterung. Salz, sowie bei Bedarf gutes Stroh und ein paar belaubte Zweige reichen bei Weidegang aus; als Winterfutter eignet sich spät gemähtes Heu von ungedüngten Wiesen. Skudden können bei gutem Unterstand im Freien überwintern.

Die Skudde ist ein kleinrahmiges Schaf; die gute Fleischqualität macht bei Schlachttieren das geringere Gewicht allemal wett. Die ideale Weide für diese genügsamen Schafe zeigt vielfältigen Bewuchs und bietet Möglichkeiten der Selektion aus Kräutern, Gräsern und Sträuchern. Skudden verbeißen Brennesseln und Disteln genau wie Schlehe, Weißdorn oder Brombeeren. Hingegen werden Blütenpflanzen oft stehen gelassen, solange anderes Futter vorhanden ist (auch Orchideen werden eher durch Tritt als durch Biss geschädigt).

Skudden sind widerstandsfähig gegen Klauenkrankheiten und Parasiten – was Pflege und regelmäßige Entwurmung natürlich nicht überflüssig macht.

Dass die Skudde die kleinste deutsche Schafrasse ist, hat zu der Behauptung geführt, es handele sich um Zwergschafe. Es ist eher umgekehrt: Skudden sind normal klein, andere Rassen sind eher ‚großgezüchtet‘. Mit 2 – 3 Jahren gilt die Skudde als ausgewachsen: Zibben haben eine Widerristhöhe von 45 – 50 cm (bei 25 – 40 kg Lebendgewicht), Böcke 55 – 60 cm (bei 35 – 50 kg). Feingliedrige aber starke Beine, federnd, mit festen Klauen – ein kurzer, im unteren Teil behaarter Schwanz – und der Kopf mit breiter Stirn, feinem Nasenbein und kleinen, aufwärts gerichteten Ohren sind weitere Kennzeichen. Die Wolle ist im Allgemeinen weiß, oder schwarz, ganz selten bräunlich. Rötliche Überfärbung und Pigmentflecken an Kopf und Beinen sind teilweise vorhanden. Bei ungeschorenen Jungtieren erfolgt im Alter von 14 – 16 Monaten oft eine Vliesablösung. Böcke tragen eine Mähne. Zusätzlich schmückt sie ein schneckenartig gewundenes Gehörn.

Alles in Allem sind sie hervorragend geeignet, um extensiv genutztes Grünland, wie die Streuobstwiesen auf unserem Platz, für uns zu pflegen.

Dr. Gerd W. Thörner
und Dipl.-Geogr. Tobias Krause

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