Picus viridis, der Grünspecht.

Nun haben wir schon so viele Artikel für Sie geschrieben und müssen heute aus gegebenem Anlass einmal aus dem Nähkästchen plaudern. Der eine von uns beiden war gut in Latein, der andere eher nicht. Allerdings war letzterem eine Vokabel vor allen Mitschülern bereits bekannt, ohne diese lernen zu müssen: „viridis“. Es handelt sich schlicht um das Wort für die Farbe „grün“. In den gängigen lateinischen Texten kommt es eher selten vor, es findet doch umso öfter in wissenschaftlichen Artnamen Verwendung und ist uns daher natürlich vertraut.

Lacerta viridis (die Smaragdeidechse), Bufo viridis (die „grüne“ Wechselkröte), Morelia viridis (der Grüne Baumpyton), Aeshna viridis (die Grüne Mosaikjungfer), Euglena viridis (das Augentierchen) und Tettigonia viridissima (das besonders grüne (Große) Heupferd).

Wieso sind wir auf diese Vokabel gestoßen? Nun, heute soll es um eine Tierart gehen, die auf unserem Platz regelmäßig beobachtet werden kann und ebenfalls auf eben jenen lateinischen Artnamen hört: Picus viridis, der Grünspecht, der Vogel des Jahres 2014.

Picus viridis, der Grünspecht

Ob der Grünspecht sich für Latein interessiert, können wir nicht sagen. Sicher ist, er ist ein echter Europäer, der sehr viel weiter nach Norden vorgedrungen ist als die Römer. So besiedelt er auch Schottland, den Süden von Skandinavien und das kontinentale Europa bis an den Ural (siehe Abbildung 1). Dafür besiedelt er aber den Bereich südlich des Mittelmeeres nicht, dort wird er in den Wäldern durch die Schwesterart, den Atlasgrünspecht (Picus vaillantii) ersetzt.

Vom Verhalten her ist er aber dann doch ein echter Römer; extrem territorial. Die Brutpaare besiedeln Reviere von 50-200 ha Größe, in denen sie keine weiteren Grünspechte dulden. Die Reviere werden auch im Winter kaum verlassen. Grünspechte gelten somit als Standvögel. Lediglich Jungvögel können Wanderungen von bis zu 80 km unternehmen, in wenigen Ausnahmefällen auch über 150 km.

Geschuldet ist die Reviergröße der extremen Nahrungsspezialisierung, denn Grünspechte fressen das ganze Jahr über hauptsächlich Ameisen. Sie kennen die Ameisennester in ihrem Revier, suchen diese regelmäßig auf und ziehen mit ihrer extrem langen Zunge Ameisen und deren Eier aus den Bodennestern. Somit halten sie sich im Gegensatz zu den anderen heimischen Spechten sehr viel auf dem Boden auf und fressen fast nie etwas an oder in Bäumen. Bei der Nahrungssuche kommen sie auch in unsere Gärten und man sieht sie regelmäßig entlang der Terrassen- und Wegekannten den Rasen absuchen. Auch dort suchen sie die Nester der Rasenameisen und haben sich keineswegs verflogen.

Gebrütet wird in Bäumen, wobei die Bruthöhle gerne in weicheres Holz gemeißelt wird. Oft brüten die Vögel daher in Pappel oder Weide aber auch in Ahorn und Platane. In die Bruthöhle werden 5-8 weiße Eier gelegt, wobei eine Jahresbrut die Regel ist. Nur wenn die Brut verloren geht, kommt es zu einem Nachgelege.

Der Grünspecht hat es auch geschafft, in der Stadt Fuß zu fassen. In Düsseldorf leben und brüten Grünspechte in allen größeren Parkanlagen, auf Friedhöfen und sogar in größeren Gärten.

Dass es Grünspechte auch auf unserem Platz gibt versteht sich von selbst. Ein bis zwei Paare brüten auf dem Gelände. Insbesondere die vielen besonnten Säume mit entsprechenden Ameisenvorkommen und die vielen Wäldchen und Baumreihen, machen unseren Platz zu einem idealen Lebensraum für diese Vogelart.

Diese und weitere Vogelbeobachtungen kann man inzwischen direkt ins Internet eingeben bzw. dort nachlesen. Die beste Homepage dazu ist unter ornitho.de zu finden. Über 5.000.000 Datensätze wurden dort bereits eingetragen und für den Vogel des Jahres gibt es eine eigene Abfrageleiste. Für uns besonders wichtig ist, dass für den Golfplatz Hubbelrath ein eigener Flächenpunkt vorgegeben ist (siehe Abbildung 3). Dies ist nicht nur für die Dateneingabe günstig, vielmehr hilft es auch bei der Datenauswertung, da darüber z.B. alle Funde innerhalb eines Jahres abgefragt werden können.

Sollten Sie also beim nächsten Spiel einen Grünspecht sehen, können Sie in dort gerne melden.

Dr. Gerd W. Thörner
und Dipl.-Geogr. Tobias Krause

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