Weißstörche in Hubbelrath?

„Nun sind sie total verrückt geworden“, werden einige aufmerksame Beobachter auf unserem Platz vielleicht gedacht haben. Ein Storchenrad in Hubbelrath, wozu denn das? Ist der Weißstorch in Nordrhein-Westfalen nicht fast ausgestorben? Wieso sollte der unseren Platz besiedeln wollen.

Zugegeben, ein wenig visionär ist der Bau eines Storchenrades immer noch, wir wagen es dennoch, da sich die Population im Rheinland erfreulich erholt hat. Ziehende Störche werden inzwischen in jedem Jahr um Hubbelrath gesehen und so wurde die Idee geboren.

Alte Legenden besagen: wenn in einem Haus Unfriede, Unehrlichkeit, Unrecht und Untreue herrschen, verlassen die Brutstörche dieses Haus. Wenn dieser alte Volksglaube auch nur eine Spur von Wahrheit enthält, muss es in den letzten 150 Jahren um die Moral im Westen Europas schlecht bestellt gewesen sein. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich ein zunehmend beschleunigter Rückgang der Zahl brütender Störche.

In Nordrhein-Westfalen gab es um 1900 ca. 100 Storchbrutpaare, mit Schwerpunkten in der Rhein- und Weseraue. Im Jahre 1988 waren nur noch 5 Brutpaare übrig. Der Tiefpunkt wurde 1991 mit nur 3 Brutpaaren erreicht.

Der Schwerpunkt der Brutvorkommen in Nordrhein-Westfalen lag dabei lange im Kreis Minden-Lübbecke in der Weseraue von Petershagen bis Schlüsselburg. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre übersommerten regelmäßig einige Weißstörche in der niederrheinischen Aue zwischen Kleve und Nimwegen und im Jahre 1988 kam es zu einem ersten Brutversuch im niederländischen Teil des Gebietes. In Reaktion darauf wurden auf deutscher Seite mehrere Nisthilfen errichtet. Im Jahre 1996 brüteten nach fast 50 Jahren erstmalig wieder Weißstörche erfolgreich am Unteren Niederrhein. Ein Paar in Zyfflich zog erfolgreich 3 Jungvögel groß.

Im Jahr 2001 gab es bereits wieder 6 Storchpaare am Niederrhein zwischen Nimwegen und Duisburg. Infolge intensiver Schutzmaßnahmen hat sich der Bestand weiter stabilisiert. Im Jahre 2006 konnten insgesamt 28 Brutpaare festgestellt werden und inzwischen nisten wieder 60 Brutpaare in Nordrhein-Westfalen. Doch noch immer ist der Vogel gefährdet und weiter auf menschliche Hilfe angewiesen. Daher lag es nahe, den auch auf unserem Platz durchziehenden Tieren ein weiteres Angebot zum brüten anzubieten. Die Standorte der Brutpaare bei Clörath im Kreis Viersen und in Duisburg-Walsum liegen beide nur 35 km Luftlinie von unserem Storchenrad entfernt, was für einen so großen Vogel keine Entfernung ist. Das Umfeld der Bahn 12 des Ostplatzes wurde schon vor vielen Jahren ökologisch aufgewertet, sodass bereits eine Nahrungsgrundlage in Form vieler Amphibien, großer Insekten und anderer Tiere vorhanden ist. Wir hoffen, dass die Störche das Angebot annehmen.

Dr. Gerd W. Thörner
und Dipl.-Geogr. Tobias Krause

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